Madox. Seine letzte Geschichte.


Am 15.9.2021 haben wir Madox für immer schlafen lassen müssen. Wir waren in der Verantwortung, ihn von seinem Leid und den Schmerzen zu erlösen. Madox wurde 11 Jahre alt. Es heißt, es sei ein gutes Alter für eine Französische Bulldogge. Es heißt, er habe ein tolles und erfülltes Leben gehabt. Und ja, es heißt auch, wir haben ihn erlöst. Es tut nur trotzdem unendlich weh. Denn sicher ist, man hat mir einen Teil meines Herzens herausgerissen. Und deswegen brauchte ich auch einige Zeit, um euch diese Geschichte zu erzählen – Madox‘ letzte Geschichte …

Zurückgeblickt weiß ich gar nicht mehr genau, wann es angefangen hat. Ich denke, es war bevor Marie mit ihren Pfötchen in unser Leben gestapft ist – wofür ich unendlich dankbar bin. Denn ohne sie hätte ich diese schwere Zeit sicher nicht so „gut“ überstanden. Madox war an und für sich topfit. Ende des Jahres 2020 hat er auf einmal an den Ohren Haare verloren. Natürlich macht man sich Gedanken. Aber hieß, das sei normal im Alter und kann passieren. Mit 10 Jahren zählte unser kleiner Schatz immerhin schon zu den Senioren. Also haben wir dem nicht weiter große Aufmerksamkeit geschenkt – er war ja fit. Mit Marie und Madox lief es super. Ok. Er war halt, wie er war: der Boss. Das hat Marie aber von Anfang an akzeptiert. Es dauerte nicht lange und die beiden lagen gemeinsam im Körbchen und waren ein Herz und eine Seele. Auch, wenn Marie sich sicher mehr Kuscheleinheiten von ihrem großen Bruder gewünscht hätte. Aber Kuscheln war einfach nicht Madox sein Ding – auch mit uns nur selten.

Im April 2021: ein Dreamteam.

Im Mai 2021 ging es schließlich richtig los: Die Haare fielen Madox an den Ohren und am Kopf aus und es entwickelte sich ein böser Hautpilz. Nach dem Tierarztbesuch stellte sich das auch heraus und wir fingen an den Pilz zu therapieren. Erst versuchten wir Surolan. Das ging nur leider voll nach hinten los. Der Pilz war wie ein Lauffeuer, Stellen fingen an zu bluten – das war schon schrecklich. Aber wenn ich zu diesem Zeitpunkt schon gewusst hätte, was noch auf meinen kleinen Schatz zukommt, war das das kleinere Übel …

Der Hautpilz ging los: Mai 2021.

Nachdem Surolan nicht angeschlagen hatte, versuchten wir es mit Canesten. Es sah dann zeitweise besser aus, aber leider nicht von langer Dauer. Der Pilz kam wieder und suchte sich seinen Weg. Wir gingen zu mehreren Tierärzten und uns konnte keiner helfen. Ich war hilflos. Es war schlimm. Dann hat eine Tierärztin endlich den Grund gefunden: Madox hatte eine Stofwechselerkrankung, die den Hautpilz ausgelöst hat – das sogenannte Cushing Syndrom. Dabei produziert der Körper zu viel Cortisol, was das Immunsystem immens schwächt – ein Paradies für Pilze. Anzeichen dafür ist übrigens auch, wenn der Hund übermäßig viel trinkt und ständig Hunger hat. Die Ärztin meinte, er könne damit aber gut leben, wenn er mit Medikamenten richtig eingestellt ist. Einstellen, das heißt: Erst alle zwei Wochen, dann ein Mal im Monat zum Blutabnehmen zum Tierarzt. Dabei wurde Madox eine Flüssigkeit gespritzt und 1,5 Stunden später mussten wir wiederkommen, um noch mal Blut abzuzapfen. So konnte man sehen, wie seine Werte waren. Und es sah schon nach kurzer Zeit gut aus. Ich hatte so große Hoffnungen. Ich habe gedacht: Super, wenn mein kleiner Schatz eingestellt ist, verschwindet der Hautpilz und er bleibt uns noch ein paar Jahre erhalten.

Juni 2021: Hautpilz wurde etwas besser.
Juli 2021: Hautpilz schien kontrollierter.

Es war dann auch so, dass Madox immer schlechter gesehen hat. Ok. Grauer Starr, dachten wir. Auch eine Alterserscheinung, die auftreten kann. Am 14.8. hat er sich seine Augen – mal wieder – verletzt. Durch die hervorstehenden Augäpfel war das keine Besonderheit. Das Augengel Cornegel hatte ich ohnehin immer in petto. Es war allerdings dieses Mal so schlimm, dass die Augen richtig gesuppt haben. Also wieder zum Tierarzt. Sie meinte, wir müssen das beobachten, eventuell müsse das eine Auge raus. Ein Schlag ins Gesicht – denn wir wussten, wenn wir Madox in Narkose legen müssen, überlebt er das nicht. Wir haben also wieder versucht, das Auge zu therapieren. Madox konnte ab diesem Tag nichts mehr sehen. Ich habe ab diesem Zeitpunkt im „Hundezimmer“ geschlafen, fernab des Ehebetts. Zu groß war die Angst, dass nachts etwas passieren könnte.

Ende Juli 2021: Der Pilz war zurück.

Der Hautpilz wurde nicht besser – im Gegenteil. Er breitete sich zunehmend aus – über den ganzen Körper und auch zu den Augen hin. Ich habe ihn dann jeden Tag mit Kernseife gebadet. Später mit Pilzmittel. Er bekam eine Impfung gegen den Pilz. Nichts hat geholfen. Die Augen sahen irgendwann so schlimm aus, dass ich befürchtete, der Pilz ist auch schon dorthin gewandert. Also wieder zum Tierarzt. Sie erkannte, dass Madox durch die Schwellungen der Haut seine Lider nicht mehr schließen konnte und die Augen austrocknen. Ich bekam folglich ein Gel an die Hand, das ich ihm jede Stunde in die Augen geben musste, damit diese ausreichend befeuchtet waren. Sein Zustand verschlimmerte sich täglich. Jeden Morgen hatte ich die Hoffnung, dass es Madox besser geht. Jeden Morgen wurde ich enttäuscht.

Mitte August 2021: Die Augen waren nun auch schon betroffen.

Der Pilz hatte es nun auch bis zu seinen Pfoten geschafft. Er konnte nichts mehr sehen und kaum laufen. Ich habe also meine Tage und auch Nächte damit verbracht, meinen kleinen Patienten durch die Gegend zu tragen. Das habe ich gern gemacht, denn ich hatte so eine große Hoffnung auf Besserung. Zugegeben: Nach etwa zwei Monaten war auch ich am Ende. Kaum Schlaf und die Sorgen gingen mir sehr an die Substanz. Wenn ich Madox morgens wecken wollte, hatte er keine Kraft mehr aufzustehen. Ich glaube, er ist dann nur mir zuliebe aufgestanden. Ich denke auch, er hat nur mir zuliebe noch mit mir gespielt.

Das rechte Auge konnte er schon nicht mehr schließen.
Auch das linke Auge war schon angegriffen.

Am 8.9.2021 waren wir dann mal wieder beim Tierarzt. Drei Ärztinnen schauten sich Madox an – und alle kamen zu einem Entschluss: Hinter dem Auge wächst aller Wahrscheinlichkeit nach ein Tumor, der die Augäpfel nach vorne schiebt – übrigens auch üblich beim Cushing Syndrom. Mit elf Jahren und seinem ohnehin sehr schwachen Immunsystem ist da natürlich die Frage, ob man diesem Hund noch einmal die Qualen einer Operation zumutet. Wir wollten am nächsten Tag in den Urlaub nach Holland fahren. Ich war erschlagen, wenngleich ich irgendwie schon gefühlt habe, dass das nicht mehr lange gutgehen wird. Also fuhren wir nach Hause und ich brach zusammen. Zum Glück hatte mein Vater auch schon so ein Gefühl und war direkt da, um mich zu trösten.

Die Tierärztin spritzte Madox noch ein Langzeitantibiotika, weil noch die leise Hoffnung bestand, dass es kein Tumor, sondern vielleicht doch nur eine Entzündung hinter dem Auge ist. Der Plan war, wir fahren nach Holland und wenn es in zwei Wochen nicht besser ist, müssen wir ihn gehen lassen. Wir wollten diese Zeit noch mal nutzen, um uns von ihm zu verabschieden. In Wirklichkeit hatten wir aber nur noch ein paar Tage …

Wir haben einfach noch mal alles versucht, um ihm seine letzten Tage so schön wie möglich zu gestalten.
Er konnte sich noch mal verabschieden.

In unserem Ferienhaus in Holland angekommen, zeigte sich Madox erst noch in einem annehmbaren Zustand. Ich musste ihm zwar starke Schmerzmittel geben, aber er fraß, machte seine Geschäfte, lief einigermaßen und spielte auch noch mit mir. Auch in Holland habe ich bei ihm geschlafen und ihn keine Sekunde aus den Augen gelassen. Dann verschlechterte sich aber sein Zustand zunehmend. Wir konnten ihm sozusagen beim Sterben zusehen. Ich kontaktierte also mehrere Kliniken. Eine wies uns ab, weil sie keine Hunde mit Hautpilz aufnehmen können. Dann hatten wir am 13.9. einen Termin für den kommenden Mittwoch in einer Tierklinik vereinbart. Und als wenn Madox es gewusst hätte, hat er uns an diesem Tag – eigentlich schon einen Tag zuvor – gezeigt, dass er keine Kraft mehr hat.

Er hat seine Schmerzmittel schon den Tag zuvor nicht mehr angenommen. Leberwurst, Käse, Schmelzkäse – nichts ging mehr. Die Nacht über hatte er blutigen Durchfall und ich bin barfuß mit ihm bei Regen durch den Garten gelaufen. Es war so schlimm. An dem Morgen hatte ich ihn im Arm. Wir hatten um 8.45 Uhr den Termin in der Klinik. Um 7 Uhr zuckte er plötzlich und ich dachte, jetzt ist es soweit. War es aber nicht. Wir packten ihn also ein und fuhren mit ihm in die Klinik.

An seinem letzten Morgen: Marie hat noch mal Abschied genommen.

Wir hatten so ein Glück, dass wir so einen tollen und empathischen Tierarzt dort trafen. Er sprach auch sehr gut Deutsch, was in der Situation für uns sehr gut gewesen ist. Auch wenn wir Holländisch mittlerweile ganz gut verstehen, ist das bei einem solchen Thema natürlich noch mal was anderes. Ich war wie in einem Tunnel und habe kaum mitbekommen, was der Arzt gesagt hat. Mein Mann musste mir seine Worte in den darauffolgenden Tagen immer und immer aufs Neue wiedergeben. Er hat gesagt, Madox sei sehr krank und hat sehr große Schmerzen. Es sei nicht nur das Cushing Syndrom, sondern noch viel mehr. Die Entzündung im Körper hat seine Beinchen und Pfötchen bis aufs Äußerste anschwellen lassen. Er meinte, selbst wenn Madox zwei Jahre alt gewesen wären, hätte man diesem Hund nicht mehr helfen können. Und mit elf Jahren habe Madox ein gutes Alter erreicht. Der Tierarzt musste selbst seine Französische Bulldogge kurz zuvor im selben Alter einschläfern lassen. Das war vermutlich auch der Grund, weshalb er auch Tränen in den Augen hatte. Wir kamen also zu dem Entschluss, Madox zu erlösen. Leider war sein ganzer Körper so entzündet, dass der Tierarzt die Kombi-Injektion aus Schlafmittel und Gift nicht in seine Venen spritzen konnte, ohne dass er Schmerzen gehabt hätte. Also spritzte er ihm erst einmal das Schlafmittel in den Hals. Ich hatte ihn fest in meinen Armen, mein Mann und Marie saßen auf dem Stuhl neben uns. Es dauerte ca. zehn Minuten, in denen ich immer wieder sagte: „Mach Heia, mein kleiner Schatz.“ Dann sank er auf den Tisch, rollte sich zusammen und schnarchte ganz leise. Der Tierarzt kam wieder herein und setzte sich nehmen ihn. „Ach, Junge“, sagte er mit Tränen in den Augen. Madox schlief fest. Er setzte die Spritze – und das Schnarchen hörte auf. Madox war jetzt endlich erlöst. Ich habe Marie hochgehoben und wollte sie noch mal schnüffeln lassen. Man sagt, das sei gut für den Abschied. Aber sie hat sich nur weggedreht und der Tierarzt meinte, sie habe schon längst Abschied genommen. Tiere spüren das. Ich denke das auch.

Wir konnten ihn nicht einfach dort lassen. Also entschieden wir uns dazu, ihn einäschern zu lassen, um ihn wieder mit nach Hause zu nehmen. Madox hat jetzt wieder seinen festen Platz bei uns und es gibt speziell mir sehr viel Kraft, Fotos und Videos von ihm zu sehen. Einfach auch, um zu wissen, dass wir ihm das bestmögliche Leben ermöglicht haben und alles getan haben für ihn. Aber am Ende muss man sich einfach der Verantwortung bewusst sein, die man als Tierhalter hat. Ich schreibe diese Geschichte mit Tränen in den Augen. Lange habe ich gebraucht, um die Kraft zu finden. Aber ich denke, ihr sollt wissen, was geschehen ist. Madox wird in unseren Herzen weiterleben und hat seine für immer bleibende Pfötchenabdrücke dort hinterlassen.

In ewiger Liebe, deine Familie.


Madox

Da guckste, wat? Von wegen Hunde können nicht denken. Zugegeben: Einige meiner vierbeinigen Artgenossen lassen tatsächlich an so mancher Hirntätigkeit zweifeln. Ich mein, wer trägt denn heute noch Dauerwelle? Echt wahr. Ich kenne da einige. Jaja, was ich schon in meinen 21 Hundejahren alles sehen musste. Deswegen wird es Zeit für mein eigenes Blog. Aber wo bleiben meine Manieren? Wenn ich mich vorstellen darf: Ich bin Madox.

Weiter schnüffeln? Hier lang ...

1 Response

  1. Jasmin sagt:

    Ruhe in Frieden kleiner Engel

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